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Fenix TK72R

Leistungsstarke Taschenlampen begeistern mich schon lange. Es geht mir neben der Funktion auch um das, was technisch machbar ist. Mein Fokus liegt eher auf kleineren, EDC tauglichen, Modellen. Von einer Sammelleidenschaft, wie bei Messern, würde ich in meinem Fall nicht sprechen.  Ein Wunsch, den ich schon lange Zeit hatte war ein wirkliches „Monster“ was alles was ich bisher hatte toppen würde. Natürlich könnte ich an dieser Stelle nun Gründe aufzählen um eine solche Anschaffung zu rechtfertigen, aber ich bin ehrlich: Es ist reine Spielerei für mich. Ein technisches Gadget, was „cool“ ist, aber eigentlich viel zu viel für meine tatsächlichen Bedürfnisse. Dessen bewusst war diese Anschaffung auf meiner Prioritätenliste natürlich nicht besonders weit oben. Deshalb geht mein besonderer Dank an die Fenix GmbH für die Möglichkeit, dass ich mir diesen kleinen Traum jetzt erfüllen konnte. Zudem war die TK72R onehein mein Favorit in dieser Leistungsklasse, da sie trotz der immensen Lichtleistung relativ kompakt ausfällt, ja sogar gedrungen wirkt. Meine Erwartungen bzw. die Vorfreude auf die TK72R wurden auf jeden Fall nicht enttäuscht.

Lieferumfang

In der hochwertigen Verpackung findet sich neben der Lampe inkl. Akku selbst die üblichen Verdächtigen: Ein Netzteil mit Ladekabel, eine Trageschlaufe in einer dem Gewicht der Lampe angepassten, dicken Version, dass Nylonholster die Anleitung und ein paar Dichtringe als Ersatz.

Technische Daten und Funktion

Die TK72R wirkt auf den ersten Blick zwar recht kompakt, ist aber sicherlich keine Lampe für die Hosentasche: Sie ist ca. 15,9cm lang. Der Lampenkopf hat einen Durchmesser von ca. 5,9cm, Der Griff selbst ca. 5cm. Der Lampenkopf der TK72R besteht aus drei LEDs samt Reflektoren und dazugehöriger Elektronik samt Display und Bedientasten. Im Griff der Lampe findet der Fenix ARB L4 14000 Akku Platz. Der Akku ist relativ groß und schwer, bietet er aber mit ca. 7000 mAh Kapazität viel „Saft“ um die TK72R zu befeuern.

Bei voller Leistung, 9000 Lumen, hat man theoretisch fast eine Stunde lang Licht. Allerdings wird die TK72R bei dieser Leistung recht schnell sehr heiß. Der eingebaute Überhitzungsschutz greift dann ein und regelt die Leistung herunter. Wann genau dies passiert hängt von der Außentemperatur ab. Beim Test bei ca. 25 Grad Celsius war nach etwa 3 Minuten „Schluss“, die TK72R regelte sich selbst von 9000 auf 2500 Lumen herunter. Der Griff war dann bereits unangenehm warm, der Lampenkopf mit bloßer Hand kaum berührbar. In niedrigeren Stufen z.B. 2000-3000 Lumen, entwickelt die Lampe zwar immer noch recht viel Wärme, allerdings hat die Automatik bei meinen Tests nicht herunterschalten müssen.  Auch „hält“ der Akku erwartungsgemäß deutlich länger: Etwa 6,5 Stunden sind es bei 1000 Lumen. Bei 500 Lumen kommt man auf über 11 Stunden. Bei niedrigster Stufe, keinesfalls „dunklen“ 100 Lumen sind bis zu 50 Stunden Licht möglich.

Das Display am Lampenkopf liefert im Betrieb jederzeit die wichtigsten Daten: Die Akkukapazität in Prozent, die aktuell eingestellte Helligkeit und die damit verbundene verbleibende Akkulaufzeit. Auch gibt das Display Feedback, z.B. ob die Tasten der Lampe gesperrt sind oder die Lampe gerade geladen wird.

Übrigens, bei voller Leistung wird eine Leuchtweite von 286 Metern versprochen. Solch beachtliche Leistungsdaten haben natürlich ihren Preis: Betrachtet man das Gewicht des Akkus, er alleine wiegt 226 Gramm, verwundert das Gesamtgewicht der TK72R kaum: 639 Gramm bringt die aus Aluminium gefertigte Lampe inkl. Akku auf die Waage.

 

Die Bedienung der TK72R erweist sich als einfach und komfortabel: Mit dem Hauptschalter lässt sich durch unterschiedlich langen Druck das Gerät ein- bzw. ausschalten und die Tastensperre aktivieren bzw. deaktivieren. Auch kann man im ausgeschaltetem Zustand die Akkukapazität abfragen. Im Betrieb kann man zudem durch einen kurzen Druck in den „Turbomodus“ (die maximale Helligkeit) wechseln bzw. wieder in den vorher benutzen Modus zurückschalten. Neben dem Hauptschalter findet man noch eine Plus- und eine Minustaste. Mit diesen kann die Helligkeit der Lampe in 100 bzw. 1000 Lumen Schritten eingestellt werden. Zusätzlich kann man durch langes drücken auf je eine vordefinierte Helligkeitstufe „springen“: 200 Lumen bei der „Minus“ Taste, 5000 Lumen bei der „Plus“ Taste.

 

 

Unabhängig vom Betriebszustand der Lampe kann man durch langes Drücken des Hauptschalters den Strobo Modus (4000 Lumen) aktivieren. Hier sei angemerkt: Ist ein solcher „Abwehr“ Modus bei Lampen mit 500 oder 1000 Lumen bereits mehr als unangenehm“….bei 4000 Lumen ist das Ganze noch ein gutes Stück „effektiver“. Wobei ein direktes Anleuchten einer Person mit 9000 Lumen ebenfalls äußerst unangenehm ist. In Beiden Fällen hat man als „Empfänger“ keine Wahl als sich die Augen zu bedecken. Meine Freundin drückte es beim ersten Testen wie folgt aus: Das ist keine Lampe, das ist eine Waffe! Diese Aussage ist in meinen Augen korrekt, deshalb ist im Umgang mit der TK72R immer Vorsicht geboten um nicht sich oder anderen die Augen zu schädigen!

 

 

Die TK72R wird per Micro USB Kabel geladen. Ein passendes Ladegerät samt Kabel befindet sich im Lieferumfang. Das Ladegerät bietet einen Ladestrom von 3000 mAh, womit der Akku in etwas weniger als 2,5 Stunden geladen ist. Praktisch ist: Man im Grunde jedes Handyladegerät zum Laden der TK72R benutzten, solange es über einen Micro USB Stecker verfügt. Die Ladedauer ist dann allerdings abhängig von den Leistungsdaten des jeweiligen Ladegerätes. Direkt neben der Micro USB Ladebuchse befindet sich eine normale USB Buchse. Hier kann man ein Ladekabel anschließen und die TK72R als Powerbank benutzen.

 

 

Die Verarbeitung ist erstklassig, das Gehäuse ist stoßfest sowie wasserdicht nach IP 68. Fenix enttäuscht hier keinesfalls die Erwartungen, die ich in dieser Preisklasse habe. 

Das Holster

Das Nylonholster wirkt qualitativ sehr hochwertig: Es ist sauber verarbeitet und aus robustem Material. Das muss auch sein, denn meine Waage zeigt für die Lampe inkl. Holster exakt 700 Gramm an. Dass man einen solchen „Brocken“ nur bedingt an einem normalen Hosengürtel tragen kann sollte klar sein. Dementsprechend ist das Holster auch eher für Koppeln oder ähnliches vorgesehen. Praktisch ist hierbei, dass die Schlaufe (zum befestigen des Holsters am Gürtel bzw. der Koppel) einen Klettverschluss hat, man muss das Holster also nicht „einfädeln“, sondern kann es praktisch jederzeit vom Gürtel/Koppel trennen bzw. wieder anbringen. Zusätzlich ist am Holster eine Kunststofföse angebracht (Quasi ein D-Ring), diese ermöglicht es das Ganze mittels eines Karabinerhakens z.B. am Rucksack zu befestigen. Auch kann man hier z.B. einen Schultergurt befestigen oder Das Holster in ein Koppeltragesystem integrieren. Das Holster ist passgenau und auf den schnellen Zugriff ausgelegt. Man Steckt die Lampe mit dem Kopf nach oben hinein. Gesichert wird das Ganze mit einem Klettverschluss. Auch wenn man den Verschluss fest anzieht besteht kein 100% Schutz gegen ein Herausfallen, z.B. wenn sich das Ganze eher in der Horizontalen oder gar „Kopfüber“ befindet und entsprechend Bewegung im Spiel ist. Am Gürtel/Koppel hat die Lampe im Holster aber guten Halt. Hier hat Fenix sich für das schnelle ziehen bzw. zurückstecken und gegen einen 100% Transportschutz entschieden. Ich kann damit persönlich gut leben, denn gerade bei Dunkelheit ist ein schneller und einfacher Zugriff für mich sehr wichtig.

Im Einsatz:

Meine ersten Eindrücke, direkt nach dem Auspacken, lassen sich nur schwer in Worte fassen. Ich war von der Helligkeit der 9000 Lumen einfach begeistert. Es war mitten an einem sonnigen Tag im Juli, also nicht gerade ideale Bedingungen zum Testen einer Taschenlampe, was mir herzlich egal war. Ein paar Dinge vielen mir direkt auf: Die enorme Hitzeentwicklung und der Fakt, dass diese Helligkeit „Indoor“ definitiv zu viel ist, es blendet einfach zu sehr. Ich fühlte mich an diesem Tag in meine Kindheit zurückversetzt, als ich an Sylvester den ganzen Tag darauf wartete, dass es endlich Mitternacht wird und das Feuerwerk losging…. Gegen 22:30 Uhr war es dann endlich dunkel genug um die TK72R vernünftig auszuprobieren. Und wieder viel mir etwas auf: Mein Garten ist für 9000 Lumen einfach zu klein! Am nächsten Wochenende machte ich deshalb mit meiner Freundin einen nächtlichen Ausflug in den Wald um die Lampe richtig zu Testen. Zum Vergleich nahm ich die Fenix UC35V2 mit 1000 Lumen, was zwar keinesfalls „schwach“ ist, aber bei weitem nicht an die 9000 Lumen der TK72R heranreicht. Es ging mir auch nicht darum hier Äpfel mit Birnen zu vergleichen, sondern um zu sehen wie sich die Mehrleistung in der Praxis auswirkt.

 

Die UC35 ist eine „taktische“ Lampe mit einem recht eng fokussiertem Lichtstrahl. Die TK72R ist hingegen deutlich weniger fokussiert und leuchtet somit eine viel breitere Fläche aus. Deshalb kommen beide Lampen bei voller Leistung auf ähnliche Leuchtreichweiten: 286 Meter bei der TK72R (9000 Lumen) bzw. 266 Meter bei der UC35 (1000 Lumen). Das sind die Werksangaben, welche bei meinen Tests in etwa hinkommen, einen wirklichen Unterschied in der Reichweite sehe ich hier also erstmal nicht. Regelt man die TK72R auf 1000 Lumen herunter hat sie eine deutlich geringere Reichweite als die UC35. Dafür ist aber, und das ist der entscheidende Unterschied, die ausgeleuchtete Fläche (in der Breite) bei der TK72R deutlich größer. Der Vergleich ist: „Spot“ (UC35) gegen „Flutlicht“ (TK72R).

Die Leistung der TK72R ist in der Praxis enorm, anstatt nur einen vergleichsweise kleinen Bereich anzustrahlen beleuchtet man praktisch alles in seinem eigenen Sichtfeld. Im Bedarfsfall kann man tatsächlich fast einen Fußballplatz ausleuchten. In den meisten Situationen benötigt man diese Leistung natürlich nicht wirklich. Für eine nächtliche Wanderung, Camping o.ä. genügen 100-500 Lumen in meinen Augen vollkommen. Diese Helligkeiten können auch deutlich kleinere, leichtere und auch preisgünstigere Lampen. Warum also solch ein „Monster“ mitnehmen? Den Vorteil der großen Akkukapazität ist eher relativ zu sehen, denn man kann sich bei kleineren Lampen mit Ersatzakkus behelfen. Das in meinen Augen entscheidende Argument sind die „Helligkeitsreserven“, die man im Bedarfsfall zur Verfügung hat.

Die TK72R ist sicher keine EDC Lampe dafür ist sie um einiges zu groß und schwer. Aber als Lampe für den „Fall der Fälle“ ist man sicherlich froh sie im Rucksack oder Handschuhfach zu haben. Für den „privaten“ Gebrauch ist die Lampe aber fast schon „übertrieben“. Vermutlich macht sie gerade deshalb so viel Spaß. Nüchtern betrachtet sehe ich die TK72R aber vor allem in „professionellen“ Bereichen als Teil der Ausrüstung. Z.B.  im Objektschutz, bei Rettungs- bzw. Katastrophendiensten oder Polizei, Feuerwehr und Militär.

Fazit

Die TK72R bekommt man für knapp 330 € (UVP). Wie in dieser Preisklasse zu erwarten lassen die Materialwahl, die Verarbeitungsqualität und der Lieferumfang keine Wünsche offen. Ebenso ist die Bedienung intuitiv und deshalb unkompliziert.  Auch wenn es bei Taschenlampen nicht unbedingt ins Gewicht fällt: Das bullige Design der TK72R gefällt mir unheimlich gut. Was aber in jedem Fall zählt, ist die Lichtleistung: Diese ist einfach nur phänomenal. Die Intensität lässt sich nur schwer beschreiben (…und ja, es gibt „zu hell“, z.B. wenn man auf die Idee kommt 9000 Lumen im Wohnzimmer zu testen). Man merkt es mir vielleicht an: Es macht mir einfach jede Menge Spaß mit der Lampe zu „spielen“. Ich muss aber gestehen: War es anfangs für mich nur ein cooles Gadget, ist es nun meine persönliche „Reverenz“ in Sachen Taschenlampe. Einmal an diese Art von Helligkeit gewöhnt möchte ich sie nicht mehr missen. Für Touren eine solch enorme Lichtquelle zur Hand zu haben ist auf jeden Fall eine feine Sache. Für den Notfall ist sie sicherlich meine erste Wahl. Aber nur für gelegentliche Ausflüge oder den Notfall ist mir die TK72R schon fast zu schade. Ich benutze sie deshalb bei fast jeder Gelegenheit und nehme sie trotz des Gewichts gerne mit. Nicht, weil ich so viel Licht ständig brauche, sondern weil es einfach zu viel Spaß macht. Deshalb freue ich mich insbesondere auf die „dunkle Jahreszeit“….

 

Harald


Nachtrag

Hier noch ein paar technische Angaben laut Fenix:

 

  • Leuchtmittel: 3x Cree XHP70 LEDs mit 50.000 Stunden Lebensdauer

  • Akku: 7,2V / 7.000mAh LiIon

  • Abmessungen:
                              Länge: 156mm
                              Durchmesser Kopf: 59mm
                              Durchmesser Körper: 50mm

  • Gewicht: 412 Gramm (ohne Akku)

  • OLED Display (für Helligkeit, Brenndauer & Kapazität)

  • gegen Wasser im Inneren abgekapselter USB Anschluss

  • 3 Helligkeitsvorwahlen: Dunkel, Hell und Memory

  • Bediensperre

  • Warnung bei geringer Spannung

  • Überhitzungsschutz

  • Verpolungsschutz gegen falsch herum eingelegten Akku

  • Gehäuse aus Aluminium, Typ III Anodisierung

  • Stoßfestigkeit: 1m

  • Wasserdichtigkeit:IP68, 2 Meter
    • Output 100 - 9.000 Lumen
    • Laufzeit 9.000 Lumen = 50min / 100 Lumen = 50Std.
    • Leuchtweiter: 31 - 286 Meter
    • Intensität: 9.000 Lumen = 20.500 cd / 100 Lumen = 240cd. 
      Hinweis: Die zuvor genannten Werte wurden im Laborbedingungen unter der Verwendung des Fenix ARB-L45-14000 LiIon Akku ermittelt und können zwischen Taschenlampe, Akkus und Umgebung abweichen. Durch den Überhitzungsschutz kann die Brenndauer abweichen.

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