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Ruike F118 Jager

 

Das Ruike F118 Jager ist nicht das erste Messer der Marke welches sich in meinen Besitz „verirrt“ hat. Als feststehendes Exemplar stellt es dennoch eine Besonderheit dar. Zuerst erspähte ich das Jager bei Gerry Flintlock`s in der Auslage. Die grün/schwarzen Griffschalen und das Handling gefielen mir auf Anhieb. Ein paar Tage später wollte ich das Messer dann kaufen, allerdings war ein anderer Kunde schneller als ich. Als ich dann von der Fenix GmbH das Angebot bekam das Messer unter die Lupe zu nehmen war ich dementsprechend hoch erfreut. Vielen Dank an Fenix ! Das grün/schwarze Modell war zu dem Zeitpunkt leider nicht lieferbar, weshalb der Bote wenige Tage später das  Modell mit den schwarzen Griffschalen bei mir ablieferte. Einmal das Messer aus der, wie bei Ruike gewohnt hochwertigen Verpackung, genommen war klar: Das Teil kann was!

 

Technische Daten

 

Die Gesamtlänge des Jager beträgt ca. 22,3 cm von ca. 11 cm auf die ca. 4,5mm starke Klinge selbst entfallen. Ohne Scheide wiegt das Messer ca. 190 Gramm. Als Klingenstahl wird hier wie bei Ruike üblich der Sandvik 14C28N Stahl verwendet. Die Klinge ist in einem Stonewashed Finish gehalten und kommt ab Werk in Rasierschärfe. Die Griffschalen bestehen bei meinem Modell aus schwarzem G10. Rein optisch wirkt der Griff relativ klein. In der Tat hatte ich Bedenken ob das Messer überhaupt gut in meine Hand passt (Handschuhgröße 10). Einmal in die Hand genommen waren alle Bedenken diesbezüglich verflogen: Das Jager liegt einfach perfekt in der Hand, zumindest bei mir. Auch meiner Freundin, mit kleinen Händen, gefiel die Handlage sehr gut. Menschen mit größeren Händen als Handschuhgröße 11 könnte der Griff allerdings etwas zu klein sein.

 

Die Verarbeitung

 

Die Verarbeitung ist, wie von Ruike gewohnt, hervorragend. Einzig die Schrauben der Griffschalen könnten in meinen Augen etwas besser versenkt sein. Dies ist allerdings nur eine optische Angelegenheit, in der Hand fühlt man die die Schrauben nicht.  Besonders gelungen finde ich die Textur der Griffschalen. Diese ist optisch wie haptisch für mich ein Highlight des Messers. Übrigens sind die Griffschalen nicht tief schwarz, ich würde hier eher von einem Anthrazit sprechen. Zudem finden sich hellere Sellen im Material. Sämtliche Kanten am Messer sind sorgfältig abgerundet. Dies ist auch wichtig, den die Griffschalen sind etwas kleiner dimensioniert als der Erl, so das dieser ein wenig über steht. Wie bei (deutlich teureren) Modellen von z.B. Lionsteel M5 vermittelt diese Konstruktionsart ein, wie ich finde,  ein tolles Griffgefühl. Es lässt sich nur schwer beschreiben, man spürt hier neben dem warmen Griffmaterial das kühle Metall in der Hand. Das Jimping am Klingenrücken ist in meinen Augen perfekt aufgeführt. Angenehm „weich“, vermittelt es dem Daumen doch einiges an Halt.

 

Die Scheide

 

Die mitgelieferte Scheide besteht aus zwei ABS Kunststoffteilen. Die Oberfläche ist mit einer Textur versehen welche auf den ersten Blick recht hochwertig wirkt. Leider wird dieser Eindruck durch die unschöne Verbindungsnaht sofort wieder getrübt. Schade, das Detail hätte Ruike wirklich besser machen können. In Bezug auf die Optik liegt die Scheide damit in meinen Augen leider nicht auf dem Niveau des Messers selbst. In Bezug auf die Funktion kann die Scheide hingegen überzeugen: Das Messer sitzt angenehm fest, ein Herausfallen ist praktisch unmöglich. Ein Wackeln, wie bei ABS Scheiden häufig anzutreffen, ist fast nicht zu vernehmen. Man muss das Ganze schon recht stark schütteln um ein leichtes Klappern hören zu können. Zudem ist der Zugwiderstand über eine Schraube einstellbar. Auch ein „Entwässerungsloch“ ist vorhanden. Toll finde ich die recht ausgeprägte Daumenrampe! Auch wenn man die Scheide recht stramm einstellt lässt sich das Messer durch diese sehr angenehm ziehen.  Highlight ist allerdings der drehbare Gürtelclip. Zwar ist hier Ruike nicht der Erfinder, es handelt sich um den „i Adapter“ von Real Steel Knives. In wie weit hier eine Zusammenarbeit zwischen den beiden Unternehmen stattfindet kann ich nicht sagen, aber die Funktion ist die selbe: Der Gürtelclip selbst sitzt auf einer drehbaren Adapterplatte. Drückt man die kleine Lasche an der Seite kann man den Clip drehen. Er rastet in insgesamt 10 Positionen ein. Ob nun senkrecht, waagerecht oder schräg nach oben oder unten, jede gewünschte Position ist hier schnell und einfach möglich. Linkshänder können den Adapter samt Clip auch auf die andere Seite der Scheide setzen. Einschränkungen gibt es lediglich in Bezug auf die Breite des Gürtels (oder woran auch immer man das Messer befestigen möchte): Mehr als ca. 4cm Breite lässt der Clip nicht zu. Auf Grund des Adapters steht die Scheide, und damit das Messer, relativ weit vom Körper ab. Persönlich stört mich dies nicht, aber es sollte erwähnt sein. Trotz ABS Kunststoff gefällt mir die Scheide insgesamt sehr gut. Die Funktion ist super, die Optik abgesehen von der unschönen Verbindungsnaht durchaus OK.

 

In der Praxis

 

Das F118 Jager ist, wie der Name bereits verrät, eher ein Jagd- bzw. Outdoormesser. Im Einsatz als Bushcraft Messer stellt der abgerundete Klingenrücken eine Einschränkung dar: Feuerstahl anreißen oder „Schaben“ kann man mit dem Jager nicht. Die üblichen Schneidaufgaben erledigt das Jager problemlos. Die recht bauchige Klingenform in Verbindung mit dem Flachschliff wirken sich hier positiv aus. Auch das „Stonewashed“ Finish ist von Vorteil für ein Gebrauchsmesser: Kleine Kratzer etc. fallen hier kaum auf. Durch die robuste Konstruktion steckt es einen „Missbrauch“ auch ohne Probleme weg. Der Sandvik 14C28N Stahl ist hier in meinen Augen eine gute Wahl. Natürlich ist dies kein Highend Produkt, allerdings ein eine extra für Messer entwickelte Stahlsorte mit gutem Preis/Leistungsverhältnis. Die Schnitthaltigkeit ist gut, nachschärfen sehr einfach und schnell erledigt. Dazu ist der Stahl sehr Rostträge. Die Ergonomie des Messers bzw. Dessen Griffes gefällt mir unheimlich gut. Es ist schwer zu beschreiben, aber es „sitzt“ einfach überaus gut und sicher in meiner Hand. Die Form des Griffes und die Textur der Griffschalen bieten immer einen guten Grip, ohne dabei unangenehm zu werden. Darüber hinaus fühlt sich das Messer sehr leicht und führig an. Auch die Flexibilität in der Befestigung ist in der Praxis wirklich nützlich. Möchte ich z.B. das Messer statt am Gürtel am Rucksack befestigen, ist dies in wenigen Sekunden geschehen. Ein Tek-Lock schafft zwar eine ähnliche Flexibilität, allerdings muss man hier jedes Mal die Befestigungsschrauben lösen, wenn man z.B. die Ausrichtung des Messers ändern möchte.

 

Fazit:

 

Für knapp 66 € bekommt man mit dem Ruike F118 Jager viel Messer für verhältnismäßig wenig Geld. Schön finde ich auch die Tatsache, dass Ruike dem F118 einen richtigen „Namen“ gibt. Die Ergonomie und die Schneidleistung überzeugen mich vollkommen. Die Verarbeitung ist sehr gut. Die Materialwahl dem Preis angemessen. Das Gesamtpaket stimmt hier einfach. Es sind nur ein paar Details an denen man sich stören kann, aber nicht muss. Insbesondere, da es eher optische Dinge sind, die keinen Einfluss auf die Performance haben. An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön an die Fenix GmbH für die zur Verfügungstellung des Jager!

 

(Harald)

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